{"id":325,"date":"2014-08-26T22:07:57","date_gmt":"2014-08-26T20:07:57","guid":{"rendered":"https:\/\/www.motopraxis.at\/?p=325"},"modified":"2014-08-26T22:09:29","modified_gmt":"2014-08-26T20:09:29","slug":"zum-nachdenken-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.motopraxis.at\/?p=325","title":{"rendered":"Zum Nachdenken"},"content":{"rendered":"<p>Trotz einer am Ende doch sehr lustigen Stunde, m\u00f6chte ich heute einen etwas nachdenklichen Artikel schreiben und erz\u00e4hlen, wieso die Stunde auch eine ganz andere Wendung h\u00e4tte nehmen k\u00f6nnen&#8230;<\/p>\n<p>Heute sa\u00dfen, als ich kam, schon drei gut gelaunte Damen im Kreis, eine vierte (vor sich hin brabbelnd) wurde gerade im Rollstuhl gebracht. Noch bevor sie im Kreis abgestellt wurde, \u00e4nderte sich schlagartig die Stimmung. Die vorher fr\u00f6hlich plaudernden Damen fingen an zu schimpfen, die soeben dazugekommene geh\u00f6re nicht hierher, sie solle wieder weggebracht werden. B\u00f6se riefen sie ihr zu, sie solle den Mund halten. Leiser, aber f\u00fcr mich gut h\u00f6rbar, drohten sie, dass sie nicht mehr k\u00e4men, wenn &#8222;die dort&#8220; dabei sei. Bei anderen Bewohnern, die vorbeigingen (die gar nicht zur Gruppe geh\u00f6ren), erkl\u00e4rten sie\u00a0 mir, dass sie gar nicht herk\u00e4men, weil &#8222;die da&#8220; sitzt.<\/p>\n<p>Eine \u00e4u\u00dferst unangenehme Situation f\u00fcr mich, und das zu Beginn der Stunde! Ich wusste nicht, wie ich darauf reagieren sollte und stellte die Dame neben meinen Platz, um mich besonders um sie k\u00fcmmern zu k\u00f6nnen bzw. sie schnell wegbringen zu k\u00f6nnen, falls die Situation eskalieren w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Dann kamen noch einige Teilnehmer und mit dabei eine neue Dame, von der mir gesagt wurde, dass sie auch \u00f6fters aggressiv und laut reagiert. Auch Frau J. kam dazu, die ebenfalls sehr laut und intensiv meine Aufmerksamkeit w\u00e4hrend der Stunde fordert.<\/p>\n<p>Alles in allem &#8222;beste&#8220; Voraussetzungen f\u00fcr eine entspannte Einheit!<\/p>\n<p>Ich begr\u00fc\u00dfte alle noch einmal sehr herzlich und bat dann die &#8222;alten Hasen&#8220; das Begr\u00fc\u00dfungslied kr\u00e4ftig mitzusingen. Ausbeute &#8211; mager!<\/p>\n<p>Beim Marschieren zur Musik war die geringe Motivation auch noch deutlich sp\u00fcrbar. Sogar Frau R., die immer mit sehr viel Energie und Elan marschiert und die gymnastischen \u00dcbungen ausf\u00fchrt, zeigte heute wenig Lust daran. Auch der sonst immer beliebte Wollball konnte heute nicht viel in Schwung bringen.<\/p>\n<p>Ich dachte mir &#8222;Friss Vogel oder stirb!&#8220; und begann das Material auszugeben &#8211; heute Schuhl\u00f6ffel. Kaum hatten die Teilnehmerinnen etwas in der Hand, und das ist ja immer faszinierend obwohl ganz nat\u00fcrlich, begann jede\/r sich damit zu besch\u00e4ftigen. Sofort wurde ein Wandel in\u00a0 der Atmosph\u00e4re sp\u00fcrbar. Die Aufmerksamkeit richtete sich prim\u00e4r auf den Gegenstand in der eigenen Hand und nicht mehr auf die &#8222;unerw\u00fcnschte Person&#8220; im Kreis. Ein wenig erleichtert atmete ich auf und die Stunde kam gut ins Laufen. Die brabbelnde Frau wurde ebenfalls ruhiger. Nat\u00fcrlich war dann nicht alles eitel Sonnenschein bis zum Ende. Bei jedem lauteren Brabbeln wurde zumindest ein &#8222;Pscht!&#8220; gezischt oder ein b\u00f6ser Blick geworfen. Aber im Gro\u00dfen und Ganzen konnte ich meine Vorhaben gut umsetzen und die Leute\u00a0brachten ihre Ideen mit ein.<\/p>\n<p>Zum Abschluss konnten wir dann doch auch alle gemeinsam wieder sagen: &#8222;&#8230;mit Ihnen war es wundersch\u00f6n!&#8220;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auf der Heimfahrt ging mir Einiges durch den Kopf. Nat\u00fcrlich m\u00f6chte ich, dass alle wieder gerne in meine Stunden kommen. Ich m\u00f6chte auch\u00a0auf keinen Fall jemanden ausgrenzen. L\u00e4rm oder Brabbeln st\u00f6rt mich pers\u00f6nlich in der Arbeit nur wenig. Ich kann das bis zu einem gewissen Grad ausblenden. Versetze ich mich aber in die Lage der Teilnehmerinnen, kann ich sie auch ein St\u00fcck weit verstehen. Sie h\u00f6ren diesen &#8222;L\u00e4rm&#8220; den ganzen Tag und sind vielleicht froh, ihm wenigstens f\u00fcr die Dauer der Einheit entfliehen zu k\u00f6nnen. Wenn man nicht gut h\u00f6rt, ist es auch umso schwieriger, der Gruppenleitung rein akustisch folgen zu k\u00f6nnen. Teilnehmerinnen, die nicht gut sehen, m\u00fcssen sich ebenso auf das H\u00f6ren verlassen.<\/p>\n<p>Wie ich in der Situation wirklich damit umgehe, muss ich einfach spontan entscheiden. Heute hatte ich Gl\u00fcck, das Ignorieren der b\u00f6sen Kommentare und Weitergehen zum Austeilen des Materials hat gewirkt und gut funktioniert. Ein anderes Mal werde ich wohl freundlich, aber bestimmt sagen m\u00fcssen, dass ich in meiner Stunde keine Beschimpfungen tolerieren kann.<\/p>\n<p>Aus\u00a0meiner Praxis im Kindergarten und Hort\u00a0wei\u00df ich, wie gemein Kinder oft zueinander sein k\u00f6nnen. Auch aus Schule bzw. Beruf\u00a0\u00a0kennt man das. Schnell f\u00e4llt der\u00a0 Begriff &#8222;Mobbing&#8220;. Es zieht sich wirklich durch alle Alterskategorien.<\/p>\n<p>Seien wir uns dessen bewusst und handeln wir danach!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.motopraxis.at\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/logo.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-251\" src=\"https:\/\/www.motopraxis.at\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/logo.png\" alt=\"logo\" width=\"183\" height=\"139\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Trotz einer am Ende doch sehr lustigen Stunde, m\u00f6chte ich heute einen etwas nachdenklichen Artikel schreiben und erz\u00e4hlen, wieso die Stunde auch eine ganz andere Wendung h\u00e4tte nehmen k\u00f6nnen&#8230; Heute sa\u00dfen, als ich kam, schon drei gut gelaunte Damen im Kreis, eine vierte (vor sich hin brabbelnd) wurde gerade im Rollstuhl gebracht. 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